Winfried Mall

Diplom-Heilpädagoge (FH)

Brücken schlagen in die Vergangenheit

Biografiearbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung

"Bevor du einem Menschen begegnest, denk, welchen Weg er schon gegangen ist." (Peter Handke)

Menschen mit geistiger Behinderung, zumal wenn sie in Einrichtungen leben, laufen große Gefahr, ihre Lebensgeschichte zu verlieren, umso mehr, je stärker eingeschränkt ihre Möglichkeiten sind. Das ist zum einen für sie selbst ein großer Verlust, da sie mit ihrer eigenen Vergangenheit zunehmend allein bleiben und niemand mehr weiß, wovon sie sprechen, wenn sie von früher erzählen (wollen). Zum andern wirkt sich dieser Umstand negativ auf die Betreuung und Begleitung aus, weil niemand mehr im Umfeld weiß, woher dieser Mensch kommt, und wie er zu dem geworden ist, den er heute darstellt.

Gerade im Alter rückt auch bei vielen nicht behinderten Menschen die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit in den Vordergrund. Bei einer dementiellen Entwicklung bleibt dies oft der Bereich, in dem noch am ehesten ein Zugang zu der Person gefunden werden kann. Das setzt aber voraus, dass schon rechtzeitig entsprechende Vorarbeit geleistet wurde.

"Wenn ein alter Mensch stirbt, verbrennt eine ganze Bibliothek." (afrikanisches Sprichwort)

Schwerpunkte:

Der Kurs soll das Verständnis dafür fördern, welche Bedeutung es für das Selbstbewusstsein einer Person hat, die eigene Biografie zu bewahren, sich zu erinnern und darüber auszutauschen, aber auch, wie wichtig es für eine gute Betreuung ist, die Lebensgeschichten der betreuten Personen zu kennen.

Es sollen verschiedene Wege praktisch erkundet werden, wie Biografiearbeit einzeln und in Gruppen durchgeführt werden kann. Dazu bringen die Teilnehmenden Materialien zur eigenen Biographie mit, wie z. B. Fotos, Aufzeichnungen, Landkarten, bedeutsame Gegenstände, sowie Materialien zum kreativen Arbeiten, wie z. B. Malpapier, Farben, Schere, Klebstoff, Plakatkarton. Am Ende sollen die Teilnehmenden über ein konkretes Konzept verfügen, wie sie mit betreuten Personen in die Biografiearbeit einsteigen können.

Zielgruppe:

Mitarbeitende in der Betreuung, zumal mit älteren BewohnerInnen

Teilnehmerzahl:

maximal 16 Personen

Dauer:

16 Unterrichtsstunden an 2 Tagen.


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